Mal wieder auf die Schwächsten einschlagen

Rüpelradler, Kampfradler, … – man könnte fast das Gefühl haben, dass die Straßen mit solchen Gestalten überquellen. Jene, die es darauf angelegt haben, soviel Unruhe wie nur möglich zu stiften. Diesen Eindruck bekommt man zumindest vermittelt, wenn man Bundesverkehrsminister Ramsauer oder aber auch Ex-Generalbundesanwalt Gehm zuhört.

Das dem Bundesminister der Radverkehr nicht besonders am Herzen liegt, zeigte er nicht zuletzt im November, als er sich bei der Präsentation des Nationalen Radverkehrsplans 2012-2020 von seinem Staatssekretär vertreten ließ. Die ständigen populistischen Äußerungen gegen Radler und die Prägung des Begriffs Kampfradler mal außen vor.

Das nun auch ein Ex-Generalbundesanwalt sich dazu verleiten lässt, auf diejenigen einzudreschen, die am unteren Ende der Leiter im Straßenverkehr(neben Fußgängern) hängen, war überraschender. Ein Mensch, der sich im Rahmen des Grundgesetzes für die Menschen in Deutschland einsetzen sollte, springt auf den Populismus-Zug auf. Warum es nicht vollkommen überraschend war, zeigt die Tatsache, dass Nehm mittlerweile Präsident des Verkehrsgerichtstages ist, der zurzeit in Goslar weilt.

Der Tropfen, der die Tage das Fass zum überlaufen und vielen Zeitungen eine reißerische Überschrift brachte, war die Äußerung Nehms, „Kaum ein Radler“ führe korrekt. Dabei bemängelt er unter anderem, dass sich Radler nicht genug um die Beleuchtung ihrer Räder kümmern und so sich und andere gefährden. Schön und gut, es gibt Heinis, die sich nicht genug darum kümmern, doch die gibt es auch bei den Kraftfahrern, und da wird das nicht besonders erwähnt. Diese besondere Erwähnung der Radfahrer wird langsam zu einer systematischen Diskriminierung.

Alles in allem: Diese Attacke wird wieder der selbst-ernannten Kampfradlergemeinde mehr Mitglieder in die Hände spielen, und dass ist auch gut so. Ich selber habe noch nicht unterschrieben, weil ich noch mit ein paar Punkten hardere, aber dazu vielleicht in einem nächsten Blogpost mehr.

Fazit: Skandalös ist die Skandalisierung des Radverkehrs. Stattdessen hätte Nehm lieber mehr Radverkehrsinfrastruktur fordern sollen.

Eigentlich sollte dieser Beitrag viel früher erscheinen, doch dann kam mir ZEIT Online zuvor. Das hat mich etwas demotiviert, auch wenn ich es natürlich super finde, dass die Redaktion sich sehr für den Radverkehr einsetzt. Nicht zuletzt das großartige Blog Velophil beweist das wöchentlich.

Ein weiterer Tipp, den ich gerne weitergeben möchte, ist das Blog Radverkehrspolitik. Auch wenn ich nicht immer mit dem Autor übereinstimmen kann, unterstützt es einem echt bei der Wahrung des Blicks über diese Spartenpolitik. Da der Autor gerade Klausurphase hat, macht er zur Zeit eine Pause. Viel Erfolg dazu!

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2 Gedanken zu „Mal wieder auf die Schwächsten einschlagen

  1. Nja, zumindest will der Bundesverkehrsminister ja mal die Gesetze in der Art ändern, dass ein Dynamo nicht mehr Pflicht ist, sondern auch Fahrrädern mit Akku-Leuchten verkehrssicher sind..ist ja schonmal ein Anfang..allerdings gabs da auch schon wieder Gegenstimmen, dass ja dann kein Radfahrer absteigen würde und sein Rad schieben würde, wenn die Akkus leer sind..Als könnte man nicht einfach Ersatz-Akkus mit Notfallreparaturset packen oder so..

    • Siehst du, die Radfahrer werden immer als Gefahr oder Idoten dargestellt. Viel wichtiger wäre es, das Radfahren als Chance zu sehen!
      Das man Akku-Leuchten erlauben will ist auch längst überfällig, glatte 20 Jahre…

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